Jenseits der Sprache: E-Learning übermorgen
28. November 2004
Über Stephen Downes haben wir hier schon einmal berichtet, genialer Mann, E-Learner der ersten Stunde mit Mega-Erfahrung in Theorie und Praxis. Aktuell seine Rede am Australian College of Educators and the Australian Council of Educational Leaders conference in Perth, Australia, Titel: The Buntine Oration: Learning networks. Einer der niveauvollsten Artikel zum Thema E-Learning der letzten Wochen! Bemerkenswert der folgende Auszug:
“When I say that we must leave language behind, I mean it quite literally. Language must be replaced, is in the process of being replaced, by a mélange of multimedia, of a chaotic mixture of text and symbols, audio and video, of words and images, topics and theses, concepts and criticisms, not neatly stacked into rows and distributed through an orderly process of content management, but blasted aimlessly into the environment, a wall of sound and sensation, not written but presented, not read but perceived.
The idea is as audacious as it is breathtaking. But it is happening today. You have probably heard of the concept of the digital immigrant and the digital native. The idea that the digital native, one who was born with today’s electronic technology, one who got his or her first mobile phone before his or her first pencil (if they got a pencil at all), one who is part of, as some characterize it, the “MTV generation.” The digital native, we are told, operates at “twitch speed,” multitasks, and – quite literally – thinks not in an orderly progression of thought but in multiple parallel threads, associating seemingly at random, communicating not so much through sentences and paragraphs as through a barrage of images and (something like) text …”
Das Forum für Training und Weiterbildung
27. November 2004
Nachdem ich mich längere Zeit vor allem in US Blogs, Konferenzen und Edupodcasts konzentrierte (dort, wo der Hammer hängt), war ich die letzten Tage im deutschsprachigen Teil des Cyberspace unterwegs. Auch hier tut sich einiges, beispielsweise im Forum für Training und Weiterbildung. Reger Verkehr, Samstag, den 27. November 2004, surften immerhin 923 Forumsteilnehmer vorbei und besuchten eines der knapp 20 Themen, die von Suggestopädie bis E-Learning so ziemlich alle Weiterbildungsfelder abdecken.
Betreiber ist Jürgen Burberg, Gründer und Inhaber von Burberg+Partner. Der mit der sympathischen Antwort auf die Frage, “was mir an meiner Arbeit wichtig ist? Der respektvolle Umgang miteinander auf der Basis offener Kommunikation ist für mich die Basis für Lernen und Lehren. Den Teilnehmern Mut machen, die eigenen Fähigkeiten entdecken zu dürfen, ist eine der faszinierendsten Aufgaben, die ich mir als Trainer vorstellen kann. “Lernen macht Spaß - Wissen ist ein Geschenk” ist meine Devise. Für den Trainer und die Teilnehmer.”
Ich lernte das Forum kennen, als mir Ralf Hilgenstock eine Mail schickte mit dem Hinweis, “ich habe heute morgen mal einen Tipp auf unseren Modellkurs mit Eurer Kommunikationseinheit in einem Forum gepostet. Hier sind die Antworten. Vielleicht ganz interessant.” Das waren sie auch, vielen Dank. Fast noch interessanter fand ich einen Rundgang durch das Forum, die verschiedenen Themen und Beiträge, Kommentare, Tips und Trends. Praxisnah, hier ein paar Beispiele:
Wir haben eine Lernplattform gekauft …
Sibylle schreibt: “Wir haben eine Lernplattform gekauft - wie bekommen wir unsere Mitarbeiter dahin, sie auch zu nutzen?” versus “Wir wollen unsere Mitarbeiter qualifizieren - welche Methoden und welche (neuen) Medien lassen sich (im Mix) sinnvoll und (kosten-)effizient einsetzen?” Wie steht es mit Ihren Erfahrungen / Leidensberichten / Lösungsansätzen / Beispielen?” Unter den Antworten auch eine von Ralf Hilgenstock:
Hallo Sibylle, Wie bekommen wir unsere MA dahin die Lernplattform auch zu nutzen? Das ist ganz einfach. Dsa Zauberwort heißt: ZWANG. Das geht so: Einen EDV-Raum umbauen und nach dem Prinzip gut organisierter Call-Center rund um die PC Arbeitsplätze kleine Kaninchenställe bauen. Danach die MA in diesen Raum führen und an die PC’s ketten. Hierzu habe sich die kleinen Sicherungsschlösser gut bewährt mit denen man auch Notebboks sichern kann. Entscheidend ist, das der ganze Vorgang so schnell geht, dass die MA nichts bemerken. Nach einiger Zeit der Lamentiererei über die vermeintlich verlorene Freiheit entdecken sie die tollen Lernmöglichkeiten am PC und werden diesen Ort gar nicht mehr verlassen wollen.
Es ist nur leider so, dass diese Form des lebenslangen Lernen süchtig macht und daher manchen unternehmerischen Interessen und Zielen zu wieder läuft. Oder kennst Du einen Unternehmer, der seine MA die ganze Zeit immer nur Lernen lassen will. Du hast sicher schnell gemerkt, dass ich das nicht so ganz ernst gemeint habe. Nun aber ganz ernst zur Sache.
Erfolgreiches E-Learning erfüllt verschiedene Rahmenbedingungen:
- Die MA haben einen Lernbedarf = Eigeninteresse am Lernen.
- Der Lernstoff lässt sich sinnvoll durch E-Learning vermitteln. Ich habe kürzlich einem EDV-Leiter abgeraten ein WORD-Anfängertraining für EDV-unerfahrene Mitrabeiter online anzubieten. Warum wohl?
- Die MA haben eine positive Einstellung zu E-Learning = ‘Ich kann über elektronisceh Medien besser/effektiver/leichter an meinen Arbeitsabläufe angepasst lernen als mit anderen Mitteln.’
- E-Learning Verfahren sind intuitiv nutzbar und verwendet bekannte Elemente
- Lernen online hat ein hohes Maß an kommunikativen Elementen und besteht nicht alleine aus abgespieltem Kontent
- Der Lernstoff hat Bezug zum Unternehmen/Arbeitsplatz/persönlichen Fragen und Problemen
- Der Lerner wird mit seinen Fragen ernst genommen
- Der Arbeitsplatz ermöglicht störungsfreie Lernzeiten
- Weniger ist mehr. Nicht alle technischen Features ausreizen.
Es gibt noch einiges mehr, was zu sagen wäre. Persönlich bin ich der Ansicht, dass durch die Verbindung Präsenzlernen und Online-Lernen viel an Akzeptanz aufgebaut werden kann. Ich akzeptiere dass Menschen, die den ganzen Tag am Bildschirm sitzen nicht auch noch online lernen wollen.”
Lernen macht Spaß und ist spannend”.
Das muss e-Learning hinkriegen!
Kurz, knapp und praxisnah, wie der Kommentar vom Hausherren: “… Das genau ist der hinderliche Glaubenssatz, der in der Tat aus den bisherigen Erfahrung beim Lernen entstanden ist. Wenn e-Learning-Angebote den Menschen zeigen, dass Lernen auf eine sehr spielerische Art stattfinden kann, wird sich der Glaubenssatz evtl. ändern in “Lernen macht Spaß und ist spannend”. Das muss e-Learning hinkriegen! Bisher - so zumindest meine Erfahrung damit - ist das in den seltensten Fällen so.
Wenn e-Learning so attraktiv ist, dass die Menschen freiwillig auch in der Freizeit das Angebot nutzen, dann braucht man sich nicht mehr Gedanken um Motivation zu machen. Die Kids spielen mit X-Box, Playstation usw., weil es ungemein spannend und grafisch sehr gut gemacht ist. Lernen muss diesen Spiel- und Entdeckertrieb auch bei uns Erwachsenen nutzen und nicht dagegen gehen, indem man Menschen zwingt, sich an den Rechner zu setzen und langweilige Lernsequenzen durchzuarbeiten. Sie müssen es wollen - aus Lust und Laune. Und noch was: Alles, was verboten ist, interessiert uns am meisten. Daher: …” den Rest lesen Sie am besten selbst im Forum für Training und Weiterbildung. nach. Schönes Wochenende!
So rechnet sich Personalentwicklung
26. November 2004
Jens Flammann und Reinhold Scheideler über ““So rechnet sich Personalentwicklung” “: “Neben den Unternehmen, in denen eine ertragsorientierte Weiterbildung faktisch nicht stattfindet, gibt es andere, die dabei aus ökonomischer Sicht ziemlich im Dunkeln tappen. Es fehle eine praxistaugliche Methode zur Investitionsrechnung, mit der Bildungserfolg zu erfassen ist, meinen manche. In den nächsten 20 Minuten können Sie hier lesen, wie Sie praxistaugliche Trainingsrenditen ermitteln …”
Die Homepage wird zum TV Studio
24. November 2004
AudioBlog bietet seit ein paar Tagen (im Betatest) zusätzlich Videomöglichkeiten mit an. Aus dem Stand eine sehr gute Qualität! Und AV Blog bietet einen innovativen Service: Ein ganz normaler Browser, eine ganz normale Homepage, die ein spezielles Flash PlugIn integriert hat.
Diese Kombination ermöglicht es, online Aufnahmen mit der eigenen Webcam zu machen! Die Aufnahmen werden dann automatisch in den hier abgebildeten Player umgewandelt, plus ein paar Zeilen Programmcode, die ich in den edu-log kopierte - und in weniger als 60 Sekunden hab ich meinen eigenen Flashfilm auf meiner Seite! Bemerkenswert.
Der Programmcode steht zwar noch ein wenig über und die Aufnahme ruckelt, ich hab aber 10 Minuten Movies gesehen, die völlig problemlos liefen. Alles in allem: Eine geniale Sache!
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Ten Technologies That Are Going To Change The Way We Learn
24. November 2004
Vielleicht etwas technlolastig, dieser Blick in die Zukunft, aber er lohnt sich! Luigi Canali De Rossi über “Ten Technologies That Are Going To Change The Way We Learn For you and all those who don’t want to get bored by having to listen to nine minutes of personal rambling in front of a webcam, here are the ten key technologies I see making the major difference in how we will be learning in the future:
1. Search technologies
2. Data visualization tools
3. Blogs - Direct publishing and content aggregation tools
4. Audio and video - increased use of audio and video as communication channels for small publishers
5. RSS - content syndication, aggregation, re-use
6. P2P - private and public file sharing networks
7. Unlimited storage - on the desktop and online
8. Unlimited bandwidth - Wifi - WiMax
9. Real Time Collaboration Tools
10. Collective and Collaborative Filtering - human spontaneous cooperative technology like del.icio.us and FURL.net …”
Top Ten Tips for Implementing e-Learning - 2005
23. November 2004
Jane Knight in ihren überarbeiteten Top Ten Tips for Implementing e-Learning - 2005 version: “If you are about to develop or implement e-learning within your organisation, then keep in mind these Ten Tips:
1. e-learning is more than online courses
2. Content is not the answer to every learning problem
3. Beauty is in the blend
4. Learning solutions must be appropriate
5. e-Learning is a strategic solution
6. An LMS is not a necessary prerequisite for e-learning
7. Coordinated e-learning efforts make sense
8. Success measures should be clearly identified
9. The right conditions need to be in place for e-learning to succeed
10. Just do it!
Panasonic stellt erstes Smartphone vor
23. November 2004
Es wurde auch Zeit, schliesslich wartet das grösste europpäische Bankabenteuer seit dem zweiten Weltkrieg (UMTS) händeringend auf seine Refinanzierung. Die ist ebenso überfällig wie die seit langem angekündigten Smartphones. Wie heise online schreibt, hat Panasonic Mobile Communications “in Cannes auf dem 3GSM World Congress sein erstes Smartphone für GSM-Netze, das Modell X700, vorgestellt. Das kompakte Handy mit VGA-Kamera und Video-Funktion arbeitet mit dem Symbian-Betriebssystem und Nokias Serie-60-Benutzerschnittstelle. Als erstes Serie-60-Smartphone hat es einen Schacht für Speicherkärtchen im miniSD-Format (miniSDs sind etwa halb so groß wie herkömmliche SD-Cards; Panasonic will Kapazitäten von 32, 64 und 128 MByte anbieten).
Wie andere Smartphones so kann das X700 auch mit Word-, Excel- und PowerPoint-Dokumenten umgehen. Neben den üblichen Organizer- und Kommunikationsanwendungen für E-Mail und Web-Browsing ist auch eine Grafikanwendung zur Bearbeitung von Fotos enthalten — alternativ könne man die Bilder via MMS verschicken oder zur Bearbeitung oder Archivierung drahtlos per Bluetooth-Funk zum PC übertragen. Das Gerät kommt in Europa voraussichtlich im Herbst 2004 auf den Markt, den Preis nannte Panasonic nicht (heise online).”
Für training on the spot, Firmenfunk, Aussendienst und zahlreiche Aus- und Weiterbildungs-Massnahmen öffnen die Smartphones ein attraktives, zukunftsträchtiges Feld. Auch wenn es zunächst wahrscheinlich viel zu teuer (und in der ersten Runde nur für grosse Firmen interessant) sein dürfte, auch die real existierenden Sprachdienste ermöglichen interessante Applikationen jenseits der üblichen Anrufe und SMS: Watch out!
Erfolg - Kursbuch für Gewinner
20. November 2004
Alles andere als neu, aber im Kontext der kreativen Klasse eine inspirierende Lektüre für Menschen in Unternehmen, speziell Führungspositionen: Kreativität, Toleranz, der (deutsche) Hang zur Ordnung und die Folgen:
Eines der populärsten Bücher von Dr. Rolf Berth heißt “Erfolg”. Es handelt von aufsehenerregenden Fakten und kapitalträchtigen Konsequenzen, den Erfolgsfaktoren der Zukunft. Hier die wichtigsten Erfolgsfaktoren auf einen Blick: Der Härtetest
“Was unterscheidet dieses Buch von der Mehrheit dieser anderen Ansätze? Es ist der Härtetest der empirischen Nachprüfung, dem wir unsere Meinung ausgesetzt haben. Was wir hier an Empfehlungen aussprechen, ist Gegenstand einer empirischen Untersuchung gewesen: 437 Intensivkontakte, die meisten mehrmalig und viele Stunden lang.”
Das “stellt Forschungsergebnisse aus einer Idustrieenquete des Autors vor, die dieser für die Kienbaum-Gruppe durchgeführt hat”. Die Basis der Untersuchung bilden 437 Intensivkontakte, die zwischen 1986 und 1992 stattfanden. Interviews, ausführliche Gespräche und Fragebögen. Die Gesprächspartner waren Führungskräfte, Geschäftsführer und Vorstände, der Altersdurchschnitt betrug 48,9 Jahre. Zugrunde liegt eine repräsentative Branchenauswahl der alten Bundesländer, eine Update der Daten fand im vergangenen Jahr statt, so daß das Ergebnis “weitgehend dem Stand von 1992 entspricht”.
Als “Erfolgskriterien” gelten ausschließlich grundsolide und für jede Bank, bzw. Buchhaltug nachvollziehbare Faktoren wie Kapitalrendite vor Steuern und Zinsen, Umsatzrendite vor Steuern und der dynamische Entschuldungsgrad. Der Break-even der Innovationen, ihr Anteil am Sortiment, die Umsatzrendite aller neuen Lancierungen im Jahr fünf und die Floprate der Neueinführungen. Zusätzlich wurden die Selbstaussagen und die oben genannten Meßgrößen miteinander verknüpft, Statistik-Fans finden ein ausführliches Kapitel über die Art der zugrundeliegenden Korrelation und ihre Bewertung. In knapper Form die Konsequenz: Was unterscheidet nun Vorzeigefirmen vom Rest der Welt, was ist das Rezept für den Erfolg?
Kursbuch für Gewinner
Das Buch will “ein Kursbuch für Gewinner” sein. Seine wichtigsten Botschaften heißen: Siege sind kalkulierbarer, Gewinnen ist erlernbar geworden. Komplementäre Führung und die Bekämpfung der Mißtrauensorganisation weisen den Weg in die Zukunft. Der Umgang mit Visionen ist lebenswichtig und muß eingeübt werden. Mensch und Strategie müssen als untrennbare Einheit verstanden werden. Wir müssen uns der Begegnung mit kranken Funktionären und Managern stellen. Die Feldtheorie erleichtert Strategien intensiverer Kundenkommunikationund verstärkter Markktbeeinflußung. Mind-Profit Management als Führung eines neuen Denkens und einer neuen Führungsverfassung.
Aus der Flut der Daten kristalliesierte das Team 27 Erfolgsfaktoren heraus, wobei die ersten fünf Plätze der Hitparade besondere Beachtung verdienen (die Prozentzahl präsentiert einen Querschnitt aus den oben genannten Werten und bedeutet ein prozentual besseres Abschneiden der “Vorzeigefirmen” in diesem Punkt gegenüber den Mitbewerbern).
Platz 1 Ergänzendes Aufenanderzugehen 347%
Platz 2 Vertrauensorganisation 286%
Platz 3 Einmaligkeit 236%
Platz 4 Visionäre Orientierung 222%
Platz 5 Sportliches Feindbild 209%
Bei Firmen, die über eine schriftliche strategische Vision verfügen, beträgt besipeilsweisre der Anteil von Innovationen (die weniger als fünf Jahre alt sind) 59% des Gesamtumsatzes. Im Gegensatz zu 11% bei Nicht-Visionären. Erfolgsfaktor Numer 1, das gegenseitige Aufeinanderzugehen und Ergänzen, wird bei nur 5% aller Unternehmen umgesetzt, jedoch bei 14% der sogenannten Vorzeigefirmen. Der Anteil der Innovationen am Gesamtumsatz beträgt bei ihnen 73%, im Gegensatz zu schlappen 12% bei den Traditionalisten. Dort liegt die Floprate der Neueinführungen allerdings bei 53%, bei Vorbildfirmen 12%. In Vertrauensgeprägten Companies wird das Flop-Verhältnis im Gegensatz zu autorität geführten Unternehmen noch deutlicher: 21% zu 63%! Betrachten wir die fünf Königswege zum Erfolg einmal näher.
Platz 1
Management by Complement ‑ darunter versteht der Autor das gegenseitige Aufeinanderzugehen und Ergänzen aller Beteiligten. Warum? “Wir sind Menschen mit sehr spezifischen, eben und gerade ungleichen Neigungen, unerträglichen Marotten und Vorlieben, die sehr persönlich und auch oft sehr beschränkt sind. … Unterstellt man einmal, daß das vor uns liegende Jahrzehnt mit seinen vielen Herausforderungen an Manager, aber genausogut an Verwalter, an Behörden, an Verbandsfunktionäre, genauso wie an Pädagogen und Profesoren außerordentlich hohe Anforderungen an Kreativität, Flexibilität und Anpasungsfähigkeit stellen wird, dann ergibt sich angesichts der Charakterstruktur der Menchen eigentlich fast zwangsläufig: Wir müssen aufeinander zugehen, wir müssen unsere Stärken sozusagen poolen, sie gegenseitig ergänzen.”
Platz 2
Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser und das Bessere ist der Feind des Guten. “Es ist die so oft überschätzte Kontrolle, die alles verdirbt, was Menschen mit Idealismus an Vertrauensbildung verwirklichen möchten… Und dies ist die Antwort aller Anworten, wenn man Vertrauen zur Managementbasis machen will. Es ist der entscheidende Akt, desen Gelingen darüber befindet, ob dumpfes Mißtrauen fortlebt oder endlich Wandel eintritt. Man versucht, den alten Mechanismus der Vorgesetzten-Kontrolle durch die Selbst-Kontrolle zu ersetzen. Dies geschieht dadurch, daß die Kontroll-Information, die ja das Rückgrat jeder Auseinanersetzung mit dem Vorgesetzten sein sol, rechtzeitig, großzügig und unaufgefordert den Mitarbeitern zur Sebstkorrektur zugänglich gemacht wird.”
Platz 3
Nike ist einmalig, ebenso Bennetton, Swatch und Apple. “Einmaligkeit ist selten und hat eine starke emotionale Seite. Darum kann sie unnachahmlich sein und deshalb dem Anbieter Sicherheit bieten. Einmaliges hat einen Schuß Verrücktheit und Anormalität an sich. Das bewirkt, daß man Einmaligkeit nur sehr mühselig imitieren kann. Gewiß, es ist nicht ganz und gar unmöglich, aber es dauert meist sehr lange. Der Konkurrenzvorteil ist dadurch bei weitem größer und tragfähiger. Wer Einmaligkeit erreichtr hat, besitzt so etwas wie ein befristetes Monopol . . . Wie stark ist der Drang nach Einmaligkeit unter deutschen Managern? In allem und jedem Einmaligkeit anzustreben ist bei der mehrheit deutscher Wirtschfaftsführer nur schwach ausgeprägt. Durchschnittlich sind es ganze 8% der Manager, die sich diesem Credo wirklich stark verpflichtet fühlen. Bei den Mitarbeitern der Vorzeigefirmen sind es immerhin 30%. Logisch: Ohne Einmaligkeit wird man kaum Vorbild.”
Platz 4
“Daß das Vorhandensein einer strategischen Vision ein wichtiger Erfolgsfaktor ist, wird nicht wundernehmen. Firmen mit einer solchen Vision erwirtschaften merklich höhere Renditen, verdienen wesentlich mehr an jeder Mark Umsatz, erreichen wesentlich schneler schwarze Zahlen bei ihren Innovationen und ihre Floprate ist merklich niedriger . . . Die Lehrbücher haben recht: Eine schriftlich niedergelegte Vision ist und bleibt ein wichtiges Werkzeug auf dem Weg zum Erfolg. Ähnlich wie en Feindbild fokussiert sie die Kräfte der Mannschaft. . . Zwischen denjenigen, die nur eine mündliche Vision besitzen, zeigt die Meßlatte keine merkliche Differenzierung. Ergo: In der schriftlichen Fixierung liegt offenbar der besondere Wert. Visionen nutzen nur, wenn sie ein niedergeschriebenes Bekenntnis sind; das unverbindliche Herumschwirren in den Köpfen bringt nur wenig.”
Platz 5
Ein klar umrissenes Feindbild als Erfolgsfaktor? Vor der Untersuchung hätten die Forscher diesen Faktor eher im Exotischen vermutet, etwa bei den Japanern, wo er hoch gehandelt wird. Doch die Firmen, die bewußt eine agressive Marktgegnerschaft pflegen, sind dreimal so erfolgreich wie die unsportlichen Unternehmen. Bei aller Vorsicht “sind wir bei dem angelangt, was uns für ein Feindbild einnimmt: Wer daran glaubt, daß leicht faßliche Einfachformeln des Verhaltens Kernelemente einer guten Unternehmenspolitik sein sollen, der kann vermittels eines Feindbildes in fast schon idealer Weise seine ganze Organisation ausrichten. Die Fokussierung aller Kräfte auf ein Ziel hin wird mit einem Feindbild sicherlich weit beser erreicht als mit einem langatmigen stratregischen Dokument . . . Wir müssen uns damit abfinden, daß Firmen mit einem Feindbild dreimal so erfolgreich sind wie solche ohne. Ganz genau sind sie 29% besser. . . . Ein Feindbild im Sinne der langfristigen Ausrichtung und eher als “sportliches” Wettkampfziel scheint geboten. Es steht mit geschickter Handhabung nicht mit den Werten unserer Ethik in Konflikt und hat hohe Erfolgswarscheinlichkeit.”
Ordnung ‑ der sicherste Weg in die Pleite
Soweit die Hits. Doch wie sieht es am Ende der Skala aus? Was ist der sicherste Weg in den Abstieg, in die zweite Liga oder in die Pleite? Das Lieblinkskind deutscher Manager ist und bleibt die Ordnung! Trotz verschämter Flirts mit dem Chaos glauben die meisten deutschen Manager (78%) immer noch unerschütterlich an kontraproduktive Traditionen und Tugenden wie Ordnung und Disziplin. Und manövrieren sich Tag für Tag weiter in die Katastrophe. Denn “der Wunsch, daß Ordnung die Welt regieren möge, ist fast allen Managern höchstes Anliegen. Eine Fülle soziologischer Studien in der westlichen Welt bestätigt dieses Haltung auch als mehrheitlich typisch für die mittleren und oberen Bevölkerungschichten.” 78% aller Manager haben in den Fragebögen voller Überzeugung das folgende Item angekreuzt: “Bei uns herrscht Ordnung, und dabei soll es auch bleiben. Jeder muß haargenau wissen, was er soll und darf. Bei uns wird nicht lage gequatscht, sondern angeordnet und gehandelt. Eigenmächtigkeiten und Schlamperei sind verpönt”. Bei Vorbildfirmen waren es dagegen nur 13%.
Um genau zu sein: Ordnung als Erfolgsfaktor liegt mit -67% an letzter Stelle, weit abgeschlagen im Negativ-Bereich und ist der sicherste Weg ins Abseits. “Wer der Auffassung ist, daß analytisches Ordnungsstreben im Konkurrenzkampf einen ganz hohen oder gar den höchsten Stellenwert verdient und an der Spitze der Werteskala gestellt werden sollte, irrt gründlich. Die entschiedenen Freunde des Faktors 27 (Ordnung regiert die Welt) gehören zu den wenig Erfolgreichen! Der Verdacht, daß “Ordnung regiert die Wet” die Confessio der Versager sein könnte, wird von den Daten nahegelegt.”
Eine wichtige Regel von Ross Ashby besagt, daß ein System, daß die Komplexität chaotischer Märkte erfolgreich managen will, in seinem Inneren mindestens ebenso komplex sein muß, wie das Umfeld, in dem es sich bewegt. Es ist daher nötig, im Firmen-Feld und im persönlichen Bewußtsein eine ähnliche komplexe (=chaotische) Struktur aufzubauen, wie wir sie in turbulenten Zeiten und Märkten nunmal vorfinden. Denn gegen die mächtige Brandung des Chaos eine starre Ordnung entgegenzusetzen, kostet weitaus mehr Energie, als mitzufließen, auf de Welle zu surfen und ihre Kraft zu nutzen.
Darüberhinaus weisen Werte wie Ordnung und Disziplin nicht gerade in die Zukunft, wie beispielsweise Kreativität, Vision, Selbstverwirklichung und das ergänzende Aufeinanderzugehen. Ordnung schafft auch keine emotionale Begeisterung bei Mitarbeiern, kurz, der Ordnungsfanatiker ist nicht nur Looser ‑ sondern auch ein Selbstbetrüger: “Nur nach außen tut er so, als ob er immer zu sich sagen würde: Dies ist der besere Weg, und darum gehe ich ihn. Es verhält sich oft anders: Hinter dem Drang zu Ordnung und Strukur stehen nicht selten starke Emotionen der Angst: Furcht vor dem Chaos, vor der Unreinlichkeit, vor dem Schmutz, vor dem nicht mehr Überschaubaren. Dies sind Ängste, die gerade nicht auf der Grundlage einer rationalen Entscheidung zustandegekommen sind, sondern ihre Wurzeln tief im Irrationalen haben…der ordnungsorientierte Analytiker ist oft ein getriebener, der allem entkommen will, was mit Chaos zu tun hat. Das fürchtet er oft so stark und peinigend wie jemand, der Höhenangst hat oder Platzangst empfindet.”
67% der Ordnungs-Phobiker ertappen sich dabei, Dinge häufig unter Zwang zu tun, vor allem wenn es um Korrektheit und Sauberkeit geht. Knapp unter 50% empfinden Chaos und Unordnung als schlimmen Alptraum, der sie verfolgt, oft beschleicht sie sogar panische Angst, ob sie noch alles im Griff haben. 57% wird bei dem Gedanken übel, in Afrika oder Indien Entwicklungshelfer zu sein, dort, “wo es dort doch soviel Schmutz und Abschaum gibt”. Ein fragwürdiger Weg, mit potentiellen Zielgruppen zu verschmelzen.
Hardliner und Altruisten
Ein weiterer Punkt ist die ewig aktuelle Führungs-Diskussion zwischen Hardlinern und Altruisten. Wie sieht sie vor dem Hintergrund der vorliegenden Untersuchung aus? Vergleicht man die der Altruisten mit denen der Manager der alten Schule, bringen es Hardliner auf 4,7% Kapitalrendite vor Steuer, die oft belächelten Altruisten dagegen auf 5,6%. Unangefochten an der Spitze, mit traumhaften 8,7% liegen jedoch die aufgeklärten Altruisten mit autoritärer Führung in Krisenzeiten und ausgeprägter Leistungsmentalität. Hier wird es interessant:
“Nachdem wir gesehen haben, daß das Lager der Altruisten doppelt so erfolgreich ist wie das der Hardliner, ist es Zeit für folgende Einsicht. Wir haben die Kraft von Softpower und altruistischem Idealismus unterschätzt. In diesem Denkansaz scheint soviel mehr Motivation, Kreativität, Flexibilität und Leistungsanreiz zu stecken, daß wir uns um alle diese Denkrichtung und ihre Vorbilder mehr werden kümmern müssen.” Allerdings ‑ “erst zu einem recht fortgeschrittenen Zeitpunkt stellten wir einen wichtigen Zusammenhang fest: Wir erkannten, daß die ungemein guten Erfolgszahlen der Softies dann und nur dann erreicht wurden, wenn zwei weitere Elemente hinzutraten. Wenn Geschäftseinheiten jene Superwerte erreichten, von denen die anderen nur träumen können, dann war dies stets gekoppelt mit der Bejahung von zwei Statements:
Statement X: Bei uns glaubt man an Teams, Konsens, Partizipation und Menschlichkeit, aber in Krisensituationen und bei besonderen Herausforderungen, die couragiertes Handeln notwendig machten, wird nicht lange gefackelt, sondern schnell und notfalls autoritär entschieden. Statement J: Leistungsdenken ist ein dominierender Bestandteil unserer Firmenkultur. Die überwiegende Mehrheit wil sich bei uns mit der Leistung anderer positiv messen und aus sich heraus überdurchschnittlich sein. Wurden diese beiden Statements verneint, sanken die Erfolgswerte erheblich ab. Plötzlich waren die Softies gar nicht mehr so brilliant”.
Innovationen: 5% Erfolgsquote
Neue Ideen, Dienstleistungen und Produkte sind der Garant für wirtschaftliches Überleben. Und Deutschland “führend in den Schlüsselindustrien des 19. Jahrhunderts (Wirtschaftswoche)” hat es ganz besonders nötig. Ob Unterhaltungsindustrie, Gentechnik, Kommunikationstechnologie, Multi Media, Cyberspace, Supraleitung, Datenspeicher, Raumfahrt, neue Werkstoffe, überall Pleiten, Pannen, Fehlanzeige. Die Ignoranz der Vorstandsetagen ist erschreckend und einer der brisantesten und zugleich brutalsten Konsequenzen liegt im Alter und der Altersstarrheit. Zuviel Kalk und Dino-Denken, zuwenig Flexibilität und Eleganz. Aufsichtsrat-Alzheimer ist die Regel, Ausnahmen bestätigen dieselbe. Dabei muß Alter nicht gleich zwangsläufig Demenz bedeuten, nicht nur in Kunst gibt es eine breite Palette von Gegenbeispielen, Rubinstein, Picasso, Horrowitz, sie alle können sich noch mit 80 hören und sehen lassen. Doch sie halten sich im Gegensatz zu den legendären “Nieten im Nadenstreifen” durch neue Eindrücke und Diskussionen fit, sind stets bereit, ihr Weltbild in Frage zu stellen und permanent zu perturbieren.
Dr. Berth drückt sich in dieser Hinsicht vornehmer aus, doch das Fazit bleibt dasselbe.Bereits im Vorwort schreibt er: “Angesichts des hier erstmals empirisch nachgewiesenen Niedergangs unseres Erneuerungswillens und unserer Innovationstätigkeit werden wir uns damit abfinden müssen, daß die Bewältigung unserer kardinalen Herausforderungen nur äußerst geringe Chancen hat. Es sei denn, wir fänden erneut die Kraft zur Vision und den Mut zu neuen Strukturen. Im Sinne eines wenig gerechtfertigten, aber dennoch ungebrochenen Optimismus will unser Vorschlag Mind-Profit Management zu bereits vorgerückter Stunde für Wirtschaft und Gesellschaft Perspektiven für einen Aufbruch zur Überlegenheit aufzeigen. Dieser wird aber nur gelingen, wenn wir die Bereitschaft aufbringen, unser Denken, unser Verhalten und unsere Systeme ernsthaft in Frage zu stellen und der Veränderung kompromißlos breiten Raum zu geben”.
Die Erfolgsrate deutscher Innovationen im Markt liegt bei 5%! Trotz hochqualifizierter Entwicklungsabteilungen, eloquenter Marketingstrategen und illustrer Werbefachleute. Fünf Prozent, ein Besuch beim Kartenleger oder Pendler würde mit Sicherheit ein statistisch besseres (und billigeres) Ergebnis bringen. “Für einige wenige Erfolgsprodukte benötigt man ein außerordentlich hohes Maß an ersten, vorläufigen Ideen: für nur einen Erfolg 175 Einfälle. Die kritische Kehrseite der Medaillie: Die Fähigkeit, aus Ideen Erfolgsprodukte zu machen, scheint bei unseren Firmen reichlich unterentwickelt zu sein, sonst würde man nicht einen derart gigantischen Ideeninput benötigen.” Kleine Statistik am Rande: “76% aller neuen Ideen fallen außerhalb des Büros an. Dies gilt noch verstärkt, nämlich zu 87%, für Durchbruchideen von großer Tragweite.”
12 Erfolgsstrategien ‑ der Weg aus dem Dilemma
Nach soviel Jammer, Not und Elend ist es entweder Zeit für den Sprung von der Brücke, einen Auswanderungsantrag nach Neuseeland oder höchste Zeit zum Handeln. Von daher beschäftigt sich die zweite Hälfte des Buches mit Lösungen, Strategien und Visionen, wobei der Autor einen Persönlichkeits-Test an den Anfang stellt. Nachdem Sie mit Hilfe eines unterhaltsamen Kartenspiels wissen, ob Sie auf Erfolgskurs liegen, mitelmäßig oder ein typischer Problemfall sind, geht es mit dem sozio-psychologischen Feldmodell (SPF) einen weiteren Schritt in Richtung Zukunft.
Der Feldbegriff stammt aus der Physik und ist ein Ausdruck von Energie. Mit Hilfe einer kleinen Grafik lassen sich komplexe Umfeldbedingungen reduzieren, bildlich darstellen und somit leichter verstehen. Das Modell läßt sich “äußerst vielfältig einsetzen: zur Beschreibung einer Einzelpersönlichkeit, einer Gruppe, eines Marktes, des Ablaufs des Managementprozesses, es kann zur Beschreibung einer Typologgie herangezogen werden, für Probleme des lebenszyklus und für die definition von Strategien. Es ist ein Instrument, das geprägt ist vom Anliegen, ein Werkzeug zu benutzen, das der Konzeption des Mind-Profit-Managements entspricht und mit dem zeitgenössischen Denken über die Erkenntnismöglichkeiten des Menschen übereinstimmt”.
Einige Seiten geht es mit einer Gruppenanalyse weiter, einer Typologie von sechs typischen Charakteren. Die in Klammern angegebene Prozentzahl beleuchtet bereits die Struktur durchschnittlicher Unternehmen. Es gibt Macher (19%), Entdecker (11%), Visionäre (5%), Analysierer (32%), Anpasser (11%) und Organisierer (22). Zur Selbsteinschätzung auch hier wieder ein Kartenspiel zum Ausschneiden, so daß am Ende ein System entsteht, sich selbst oder Gruppen hinsichtlich der Erfolgsfaktoren genau zu analysieren.
Eine Reihe von “Visionen” zieht sich paralell durch die Lektüre und mündet in einem “offenen Brief an einen kreativen Vorstandsvorsitzenden”. Ein Maßnahmenbündel von 12 ineinander verwobenen und dennoch klar umrissenen Strategien ‑ alle auf der Grundlage der recherchierten Zahlen, Daten, Fakten ‑ sind (wie das gesamte Buch) Pflichtlektüre für Verantwortliche in Unternehmen, Politik und Verwaltung. Und für Trainer! Wohl wissend, daß es keine keine absulouten “Wahrheiten”, dafür aber Wahrscheinlichkeiten und Potentailitäten gibt, unterscheidet sich dieses Buch von zahlreichen anderen Publikationen vor allem durch den in Deutschland bisher einmaligen “Härtetest der empirischen Nachprüfung”. Sie können es also jedem Buchhalter und Vorsitzenden um die Ohren schlagen oder (subtil gepaced) unter die Nase halten.
Und so gehe ich im Sinne “eines wenig gerechtfertigten, aber dennoch ungebrochenen Optimismus” davon aus, daß es nicht etwa fünf vor 12, sondern sieben vor 2000 ist. Und da wir außerdem unsere Uhren meistens um ein paar Minuten vorstellen, bleibt uns noch die notwendige Zeit zur Einsicht und zum Handeln. “Erfolg” ist übrigens bei ECON erschienen und kostet DM 68.-. Ich habe mir das Buch redlich erworben und somit basiert dieser Artikel nicht etwa auf einem Rezensions-Exemplar, sondern auf einem vitalen Interesse an mehr Lebensqualität und Zukunft. Ich hoffe, wir verschlafen sie nicht. Viel Vergnügen bei der Lektüre (Lutz Berger, ManagerSeminare, irgendwann Ende der Achtziger)!
Der Euro-Kreativitäts-Index (EKI)
20. November 2004
Die gute Nachricht: Europa ist kreativitätstechnisch schwer im kommen. Die schlechte: Deutschland gehört zu den Absteigern. Der Reihe nach …
Richard Florida ist überzeugt, dass wir wirtschaftlich und kulturell vor einem grundlegenden Wandel stehen, dem Übergang von der industriellen zur kreativen Ökonomie: In den letzten 20 Jahren ist Kreativität zur treibenden Kraft unserer Wirtschaft geworden, in den hochenetwickelten industriellen gesellschaften arbeiten bereits 25 - 30 Prozent aller Beschäftigten im Kreativsektor - “das heisst in Wissenschaft und Technik, Forschung und Entwicklung, in technologiebasierten Industriezweigen, in Kunst, Musik, Kultur, Ästhetik und Design sowie in den wissensbasierten Berufen der Bereiche Medizin, Finanzwesen und Recht.”
Um diese Entwicklung besser fassen zu können, führen Richard Florida und Irene Tinagli den Kreativitäts-Index ein, auf Europa bezogen den Der Euro-Kreativitäts-Index (EKI), erstmals erwähnt im gdi-impuls 2.04: “Der EKI ist eine kombinierte Skala, die auf den (in Richard Florida und Irene Tinagli, Europa im kreativen Zeitalter, gdi-impuls) beschriebenen Indizes für “Talent”, “Technologie” und “Toleranz” beruht. Der EKI lässt sich gut mit anderen gängigen Indikatoren der Wettbewerbsfähigkeit vergleichen, wir glauben jedoch, dass er eine erhebliche Verbesserung gegenüber diesen Messmethoden darstellt …”
Schweden und Finnland führen den EKI an (und liegen nur knapp hinter den USA), Deutschland erreicht zwar technologisch eine gute Position, hat aber seine historische Spitzenstellung in Sachen Kreativität eingebüsst und zählt auf diesem Sektor klar zu den Absteigern. Womit wir uns in eher zweifelhafter Gesellschaft befinden, denn auch die USA sind dabei, ihre traditionelle Vorreiterrolle einzubüssen: Die Angst vor Einwanderern, dem Fremden und Bösen nimmt zu, restriktive Gesetze schrecken kreativen Köpfe eher ab und lassen sie in andere, europäische Regionen abwandern.
Das Europa der Regionen
In diesem Kontext räumt Richard Florida den Städten und Regionen einen hohen Kreativitäts-Magnetismus ein. Tolerante urbane Zentren mit einem hohen Anteil an Bohemiens, Schwulen, Künstlern und Ausländern (!) bilden den idealen Nährboden für Kreativität und eine blühende Wirtschaft in Folge. Gerade damit tun sich seine Kritiker schwer, befürchten die Ordnungsfanatiker hier eher den Untergang des Abendlandes, repektive den Verfall amerikanischer Werte. Was mich an die Berth-Studie der profitabelsten Unternehmen erinnert, die er Anfang der Neunziger für Kienbaum durchführte. Schon damals waren die Ordnungsfanatiker die grösste Bedrohung für wirtschaftliches Wachstum …
Surftip: Trendimpulse
20. November 2004
Trendimpulse heisst ein Informationsportal rund um das Thema Trend, ins Leben gerufen von der Trendagentur Kreativphase – Trends und Impulse für Markenwelten … Mit Trendimpulse.de wollen Marketingfachleuten und Kreativprofis aus den Bereichen Design, Mode, Werbung, Fotografie, Film, Interior, Architektur und Medien Einblicke in die Arbeit ihrer Trendberatung ermöglichen und Unternehmen Impulse für eine kreative Zukunft liefern.














