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Das Ising-Modell und die Macht der Nachahmung

6. Mai 2005

Microsoft, kurz vor der Einführung des neuen Betriebssystems Longhorn, will rund 20 ausgesuchten Bloggern Vorabversionen zur Verfügung stellen. Redmonton verspricht sich davon ein positives Klima, ausserdem, so Microsoft-Entwickler Robert Scoble “werden sie uns sagen, wo wir uns verzetteln und was wir gut machen. Sie werden ein wichtiges Element bei der Entwicklung von Longhorn sei”.

Die öffentliche Meinung auf dem Schirm haben nicht nur Politik und Werbung, auch zahlreiche andere gesellschaftliche Kräfte sind an der Steuerung selbstbezüglicher Dynamik und einem tieferen Verständnis verstärkender Rückkopplungsschleifen interessiert: Der abrupte Meinungsumschwung der Öffentlichkeit, die plötzliche Panik an der Börse, oder die sprunghafte Verbreitung neuer Technologien - welche verborgenen Muster stecken dahinter und wie lässt sich die Dynamik von “Trends, Moden oder Blasen” steuern, bzw. nutzen?

Immer wieder werden naturwissenschaftliche Theorien zur Erklärung komplexer biologischer und gesellschaftlicher Prozesse herangezogen. So war es mit den dissipativen Strukturen (Prigogine), morphischen Feldern (Sheldrake), mit Fuzzy Logic (Lofti Zadeh), den Memen (Richard Dawkins) und Mandelbrot-Mengen.

Mit einem neuen Ansatz, so Florian Rötzer in Telepolis “sind nun die Physiker Quentin Michard von der Ecole supérieure de physique et de chimie industrielles in Paris und Jean-Philippe Bouchaud vom Commissariat à l’énergie atomique in Saclay gestoßen, wie sie in Theory of collective opinion shifts: from smooth trends to abrupt swings schreiben. Ihr Ausgangspunkt gleicht dem Ansatz der Memetik, auf die aber nicht Bezug genommen wird. Ein Verhalten oder eine Einstellung breitet sich durch Nachahmung aus. Das setzt eine direkte oder mediale Wahrnehmung voraus, die dann so ansteckend oder beeindruckend ist, dass das Wahrgenommene übernommen oder zumindest der Wunsch nach etwas ausgelöst wird.”

Mehr über kollektive Mechanismen, das globale Gehirn, spontane Magnetisierung und das Ising-Modell in der Vatertagsausgabe von Telepolis.

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