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Der Euro-Kreativitäts-Index (EKI)

20. November 2004

Die gute Nachricht: Europa ist kreativitätstechnisch schwer im kommen. Die schlechte: Deutschland gehört zu den Absteigern. Der Reihe nach …

Richard Florida ist überzeugt, dass wir wirtschaftlich und kulturell vor einem grundlegenden Wandel stehen, dem Übergang von der industriellen zur kreativen Ökonomie: In den letzten 20 Jahren ist Kreativität zur treibenden Kraft unserer Wirtschaft geworden, in den hochenetwickelten industriellen gesellschaften arbeiten bereits 25 - 30 Prozent aller Beschäftigten im Kreativsektor - “das heisst in Wissenschaft und Technik, Forschung und Entwicklung, in technologiebasierten Industriezweigen, in Kunst, Musik, Kultur, Ästhetik und Design sowie in den wissensbasierten Berufen der Bereiche Medizin, Finanzwesen und Recht.”

Um diese Entwicklung besser fassen zu können, führen Richard Florida und Irene Tinagli den Kreativitäts-Index ein, auf Europa bezogen den Der Euro-Kreativitäts-Index (EKI), erstmals erwähnt im gdi-impuls 2.04: “Der EKI ist eine kombinierte Skala, die auf den (in Richard Florida und Irene Tinagli, Europa im kreativen Zeitalter, gdi-impuls) beschriebenen Indizes für “Talent”, “Technologie” und “Toleranz” beruht. Der EKI lässt sich gut mit anderen gängigen Indikatoren der Wettbewerbsfähigkeit vergleichen, wir glauben jedoch, dass er eine erhebliche Verbesserung gegenüber diesen Messmethoden darstellt …”

Schweden und Finnland führen den EKI an (und liegen nur knapp hinter den USA), Deutschland erreicht zwar technologisch eine gute Position, hat aber seine historische Spitzenstellung in Sachen Kreativität eingebüsst und zählt auf diesem Sektor klar zu den Absteigern. Womit wir uns in eher zweifelhafter Gesellschaft befinden, denn auch die USA sind dabei, ihre traditionelle Vorreiterrolle einzubüssen: Die Angst vor Einwanderern, dem Fremden und Bösen nimmt zu, restriktive Gesetze schrecken kreativen Köpfe eher ab und lassen sie in andere, europäische Regionen abwandern.

Das Europa der Regionen

In diesem Kontext räumt Richard Florida den Städten und Regionen einen hohen Kreativitäts-Magnetismus ein. Tolerante urbane Zentren mit einem hohen Anteil an Bohemiens, Schwulen, Künstlern und Ausländern (!) bilden den idealen Nährboden für Kreativität und eine blühende Wirtschaft in Folge. Gerade damit tun sich seine Kritiker schwer, befürchten die Ordnungsfanatiker hier eher den Untergang des Abendlandes, repektive den Verfall amerikanischer Werte. Was mich an die Berth-Studie der profitabelsten Unternehmen erinnert, die er Anfang der Neunziger für Kienbaum durchführte. Schon damals waren die Ordnungsfanatiker die grösste Bedrohung für wirtschaftliches Wachstum …

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