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Zeitlos Aktuelles

16. November 2008

“Sie änderten die gewohnten Bezeichnung für die Dinge nach ihrem Belieben. Unreflektierte Risikobereitschaft galt als Mut und als Loyalität den eigenen Leuten gegenüber, Zögern mit Blick auf die Folgen des eigenen Handelns als aufgeputzte Feigheit, Besonnenheit als Deckmantel der Ängstlichkeit, alles bedenkende Klugheit als lähmende Schlaffheit, und wildes Draufgängertum hielt man für die Art ganzer Kerle. Wer immer schimpfte und mit nichts zufrieden war, galt für glaubwürdig, wer aber widersprach, für verdächtig. Wenn einer mit einem hinterhältigen Schachzug Erfolg hatte, wurde er als klug angesehen, und es war ein Zeichen noch größerer Klugheit, einen Angriff rechtzeitig zu durchschauen. Wer sich aber selbst vorsah, um nichts mit diesen Dingen zu tun zu haben, von dem hieß es, er fürchte sich vor dem Gegnern. Denn lieber lassen sich die meisten Menschen einen gewitzten Halunken nennen als einen anständigen Dummkopf. Des einen schämten sie sich, aber mit dem anderen geben sie an.”

Worte des griechischen Philosophen Thukydides, zitiert aus “Außenansicht”, SZ 15/16. 11. 2008 von Stefan Rebenich

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